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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783446203174
Sprache: Deutsch
Umfang: 296 S.
Format (T/L/B): 2.7 x 21 x 13.5 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Sankt Petersburg entdecken mit den Augen der Dichter! Von Puschkin über Gogol und Lermontow bis zur Achmatowa hat diese Stadt die größten Autoren Russlands zu Gedichten und Erzählungen inspiriert. Nikolai Anziferow, unvergleichlicher Chronist Petersburgs, folgt auf der Suche nach der Seele seiner Stadt der Literatur ebenso wie seiner eigenen Beobachtungsgabe. 1922 erschienen und jetzt zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt, ist das Buch eine Entdeckung für Liebhaber der russischen Literatur und für alle, die Petersburg bereisen möchten.

Autorenportrait

Nikolai P. Anziferow (1889-1958) war ein russischer Historiker, Landeskundler und Publizist. Bekannt war er zu seiner Zeit als Erfinder einer besonderen Form der Stadt-Exkursion, bei der die sinnliche Erfahrung des städtischen Raums im Mittelpunkt stand.

Leseprobe

Die Jahre fügten der strengen und wunderbaren Hülle des Nördlichen Palmyra immer neue Merkmale des Imperialismus hinzu. Es sieht so aus, als hätten die siegreichen Führer hier ihre Triumphe zelebriert und die Trophäen in der Stadt verteilt. Und Petersburg nahm sie, eignete sie sich an, als wären sie für die Stadt bestimmt gewesen. Am Ufer der Newa, gegenüber dem schweren und majestätischen Korpus der Akademie der Künste, wurden zwei Sphingen plaziert, um die aus Granit gearbeitete Anlegestelle zu bewachen: Mit dem Gesicht von Amenhotep III. dem Prächtigen, einem Pharao aus der Glanzzeit des ägyptischen Reiches. Und diese geheimnisvollen Wesen, Geschöpfe vergangener Zeiten, ferner Länder, eines fremden Volkes, erscheinen uns hier, am Ufer der Newa, ganz vertraut, als seien sie den Wassern, dem großen Fluß der nördlichen Hauptstadt entstiegen, um deren Schätze in den Palästen zu bewachen. Angenehm ist es, hier unter ihnen auf den halbrunden granitenen Bänken zu sitzen, dem plätschernden Wasser nachzuschauen und sich das Gedicht von Wjatscheslaw Iwanow in Erinnerung zu rufen: War's Zauberwerk in weißer Nächte Weben, Nur Widerschein polarer Wundermacht? Hat Isis bleich euch in die Haft gebracht, Tierwunder aus dem hunderttor'gen Theben? Welch Rätsel hat dem Steine noch gegeben Der Münder Krümmung, die so grausam lacht? Gibt euch mehr Lust die Flut der Mitternacht, Als Sterne euch am heil'gen Nil gegeben?5 Am Rand der Stadt, hinter dem Flüßchen Karpowka, gibt es andere Gefangene aus heißen Ländern, in der tropischen Ecke des Botanischen Gartens die den Sphingen vertrauten Palmen, unter ihnen die romantische Attalea princeps, die Heldin einer Erzählung von Wsewolod Garschin. Und auch die »ferne Palme«, von welcher der einsame, mit einer weißen Decke aus Eis und Schnee umhüllte Fichtenbaum träumte, verschlug es aus dem »Morgenland« in den kahlen Norden.* Dicht neben dem Winterpalais erhebt sich das Gebäude der Eremitage - eines »Ortes der Zurückgezogenheit«. Wenn man sie durchwandert, so kann »die Seele die Unendlichkeit der Räume und der Zeiten erfühlen« (Iwan Bunin). Hier umgibt uns die Bilderwelt des fernen Ägypten, des lichten Hellas, des mächtigen Rom und des Reichs der unbändigen Skythen, es erleuchtet uns die Freude der Renaissance und der Glanz des wunderbaren Frankreich. Das Nördliche Palmyra gibt sich dem Traum von der Großmacht hin und bewahrt all diese Bilder in seinem Innern. Es rief die besten Architekten Europas, damit deren Bauten der Welt von den Sehnsüchten der Hauptstadt des Nordens kündeten. Bei der Einfahrt in die Newa trifft der Reisende auf das Bergbauinstitut mit seiner schlanken und nüchternen Kolonnade in dorischer Anordnung. Sie wurde als Propyläen für Petersburg errichtet, von Andrej Woronichin, der sich durch die Tempel von Paestum - dem antiken Poseidonia -, der Stadt des Meeresgottes, inspirieren ließ. An der spitzen Ecke der Wassili-Insel, gegenüber dem Tempel für Pluto, der Börse, erheben sich zwei Säulen, die mit Schiffsschnäbeln verziert wurden, im Andenken an die Rostren, die früher einmal auf dem Römischen Forum standen. Nachdem die Römer den ersten Seesieg errungen hatten, stellten sie allen Bürgern die Schnäbel der feindlichen Schiffe zur Schau. Die Rostren sind ein Symbol für die Herrschaft über das Meer, nicht zufällig schmücken sie einen der berühmtesten Plätze von Petersburg. In der Mojka liegt eine Insel, umgeben von einer hohen roten Mauer. Ein Kanal zerteilt sie, über den sich ein wundervoller Br Leseprobe